Bei der Feuerwehr nehmen sie
auch Frauen. „Wänn`s ä Härzigi isch“, lacht der Mann am Telefon. Nachdenklich
schau ich in den Spiegel. Vielleicht doch eher zu den Stadthexen? Ratlos huscht
mein Blick über die ellenlange Liste, die meine Freundin Lydia für mich
ausgedruckt hat. Es gäbe auch noch Vogelschützer, Pontoniers,
Gleitschirmflieger, Luftpistolenschützen, Hundeführer, Tambouren und
Trachtentänzer. Fast mehr Vereine als Bewohner scheint es hier im Städtchen zu
geben.
„Verein muss sein“, hat mir
Lydia zum Abschied eingeschärft. „Ohne Verein gehst du unter.“ Lydia ist
Expertin in Sachen Integration. Man könnte sie über einem völlig fremden Ort
aus einem Flugzeug abwerfen, und innert weniger Stunden wäre sie per Du mit dem
Bürgermeister.
„Aber ich kann doch nicht
einfach eines Abends in eine Vereinsversammlung und sagen: „Hallo zusammen. Ich
will zu Euch gehören. Mein ganzes Leben hab ich davon geträumt, Salme zu fangen
oder mit dem Hängegleiter über die Dächer unseres Städtchens zu schweben.“
Schulterzuckend lässt mich Lydia ziehen. „Wenn du die Kontaktmöglickkeiten nicht nützen willst, die dir in deinem neuen Wohnort geboten werden, dann bleibst du halt einsam.“ Doch dann ruft sie mir nach: „Versuch dein Glück wenigstens im Café oder im Postauto. Das gibt es doch hoffentlich in deinem Fricktal.“
Schulterzuckend lässt mich Lydia ziehen. „Wenn du die Kontaktmöglickkeiten nicht nützen willst, die dir in deinem neuen Wohnort geboten werden, dann bleibst du halt einsam.“ Doch dann ruft sie mir nach: „Versuch dein Glück wenigstens im Café oder im Postauto. Das gibt es doch hoffentlich in deinem Fricktal.“
Café klingt gut. Schön
unverbindlich. Leider sind fast alle in ihre Zeitungen vertieft. Flirten mit
ihrem Smartphone oder ihrem Gipfeli. Eine Frau am Nebentisch täschelt einem
älteren Herr auf die Hand. „Wenn jetzt die Frau Doktor kommt, sagst du einfach
nichts. Es ist besser so. Schweig einfach.“ Der Mann schweigt. „Hast du das
verstanden?“ Er schweigt. Am Stammtisch brechen zwei in Gelächter aus. Soll ich
mich dazusetzen? „Hallo, darf ich mitlachen?“ Ich bezahle.
Das Postauto also? Kichernde
Schüler. Eine Frau mit einem grossen Einkaufskorb, zwei Männer in Anzügen, alle
starren ins Leere. Der Chauffeur gibt ganz schön Gas über den Kaistenberg. Ich
könnte mich ja einfach fallen lassen, in einer scharfen Kurve. Vielleicht würde
das für Kontakt sorgen und sogar Gesprächsstoff liefern?
Im neuen Zuhause google ich
mit den beiden Stichworten „Fricktal und Kontakt“. Was mir angeboten wird, ist
eine diskrete Affaire, ein Squash-Training, eine Selbsthilfegruppe für
ADHS-Betroffene, ein lockeres Treffen mit noch lockererem Herrn und ein
Regionalchat.
Vielleicht ist das die
Lösung? Chat! Vielleicht gibt es auch einen Dorfchat, ja sogar ein
Quartierchat. Dann könnte ich mich endlich mit meinen neuen Nachbarn unterhalten.
Und müsste dazu nicht mal aus dem Haus.
Josefine
erschienen am 22.5.2012
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