Freitag, 27. Juli 2012

Katzenhimmel


Wer sagt eigentlich, dass Kolumnen immer  lustig sein müssen?  Sie sind es nicht, genauso wenig wie das Leben. Der süsseste, klügste, liebste Kater aller Zeiten, Grullo, der Held vieler Kolumnen, ist nicht mehr. Dass er „an der Zeit war“, weil er ein stolzes Katzenalter erreicht hat, tröstet wenig. Es ist nie „an der Zeit“, wenn jemand, der wichtig war, plötzlich nicht mehr da ist.

Ich schreibe bewusst „jemand“ und nicht „etwas“, weil Tiere endlich auch vom  Gesetz her nicht mehr als Sache betrachtet werden. Sache? Haustiere sind Emotion pur. Sie sind unsere treuen Begleiter, unsere Freunde. Sie bringen uns zum Lachen, in Bewegung, in einen Lebensrhythmus,  in eine Verantwortung. Sie hören zu, trösten uns, spüren die feinsten Schatten in unseren Gefühlen, nehmen immer für ihr Herrchen, ihr Frauchen Partei.  Und sie geben unserem Leben Heiterkeit, weil sie einfach da sind.

Grullo fehlt überall.  Es ist endgültig. Was für ein Wort! Das Ende ist gültig.  Sein Tellerchen steht unberührt in der Küche. Nie mehr werde ich als ersten Blick am Morgen in seine grünen, klaren und wissenden Augen sehen. Vorbei die Zeit, in der er sich auf die  Tastatur meines Computers setzt, weil er ungeteilte Aufmerksamkeit verlangt. Nie mehr wird er meine Tulpenzwiebeln ausgraben. Das Sofa zerkratzen. Blindschleichen erschrecken. Besucherhunde in die Flucht schlagen. Meine Gespräche im leeren Haus werden jetzt wirklich zu Selbstgesprächen.  An meinem schwarzen Pullover kleben noch ein paar seiner roten Haare.

Vorbei ist vorbei. Alles fliesst Richtung Vergangenheit. Jede kostbare Minute. Gerne würde ich wissen, wo Grullo jetzt ist. Seine Energie. Seine Intelligenz. „Im Katzenhimmel“, tröstet mich Lydia. „Dort wird er sich mit all den Katzen zusammentun, die einmal dein Leben begleitet haben.  Motore, Luna, Tüpfi, Merlot. Gemeinsam werden sie über dich wachen.  Und irgendwann einmal wird wieder ein kleiner, roter Kater vor deiner Tür stehen. Grullo wird nichts dagegen haben, wenn du den adoptierst. Nicht einfach als billiger Ersatz. Sondern als einer, der dich braucht. Der dich erheitert. Ein neues und eigenwilliges Wesen,“

Ersetzen lässt sich niemand. Und das ist auch gut so. Danke, Grullo, für die schöne Zeit.


Josefine


erschienen am 24. Juli 2012




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

herzlichen Dank für Ihren Kommentar