Fräulein Stuber, die
Nachbarin von meiner Grossmutter, hat sie mehrmals gewarnt: „Ihre Enkelin, die
wird einmal eine Pyromanin!“
Natürlich habe ich dieses komische
Wort nicht verstanden, welches meine Nonna besorgt ausstiess, als ich wieder einmal genussvoll das
Streichholz in ihren Holzofen steckte. Pyromanin? Was konnte dies Schlimmes
bedeuten? Am Abend schlug ich heimlich im Lexikon nach. Unter Büro. Büromannin? Leider ergebnislos.
„Das hat nichts mit Büro zu
tun, du Totsch. Es bedeutet, dass du spinnst. Dass deine Freude am Zeuseln eine
Krankheit ist“, klärte mich meine ältere, kluge Schwester brutal auf. Krank? Ich war entsetzt. Wie viele Winter hatte meine heissgeliebte Nonna
in ihrer kleinen, kalten Wohnung ausgeharrt, nur damit ich in der grossen Pause
vorbeikommen konnte, um ihr Feuer zu entfachen. Weil sie sich freute, wenn ich
begeistert war. Das Lodern, das Züngeln
der Flammen, der Rauch, das Papier, das langsam in sich zusammensank. Das
Gefühl, wenn mein Gesicht heiss wurde, bis ich es fast nicht mehr aushielt. Der
Geruch. Das alles sollte nun vorbei sein?
„Natürlich nicht“, tröstete mich meine Nonna. „Du brennst weiter. Es heisst nur, dass es Fräulein Stuber nicht wissen darf. Ich rede einfach nicht mehr mit der.“ So einfach funktionierte damals die Konfliktbewältigung.
„Natürlich nicht“, tröstete mich meine Nonna. „Du brennst weiter. Es heisst nur, dass es Fräulein Stuber nicht wissen darf. Ich rede einfach nicht mehr mit der.“ So einfach funktionierte damals die Konfliktbewältigung.
*
Viele Jahre später: „Das
dürfte etwa das älteste, noch funktionierende Modell im Fricktal sein. Lange
wird der es vermutlich nicht mehr machen!“ Der Kaminfeger schlägt das
Eisentürchen zu und klopft unserem guten Holzofen, von uns zärtlich Alois
genannt, wie einem alten Gaul auf das Hinterteil. „Sie sollten eine Alternative in petto
haben.“
Der Allerliebste, der meine
Begeisterung fürs Feuer teilt, versteht meinen Kummer: „Unser Alois ist ja gerade das Tolle im Haus!
Natürlich ist es mühsam, Ster um Ster in den Keller zu schaffen; alle drei
Stunden Holz nachzulegen und morgens im eiskalten Haus aufzustehen. Aber unsere
Wärme ist um Einiges spannender als die einer Oel- oder Elektroheizung. Unser Alois bedeutet Leidenschaft.“
Der Fachmann, der nicht nur
eine, sondern gleich fünf Alternativen in petto hat, hält nichts von unserer
„Pyromantik“. Erklärt uns geduldig die neuesten Technologien. Luft Luft,
Schnitzel, Oel, Schnitzel, Strom, Erde Luft. Mir raucht der Kopf.
Nachts schleiche in hinunter
in den Keller. Alois ist wieder einmal erkaltet. Fast die ganze Glut ist
ausgegangen. Vorsichtig lege ich ein paar Holzscheite auf zerknülltes
Papier. Es braucht immer mehr Geduld, bis er reagiert. Aber
dann, ganz plötzlich, lodert sein Feuer auf. „Du wirst es noch lange machen!“
flüstere ich, bevor ich mich wieder ins Bett schleiche.
„Alois hat die ganze Nacht
durchgehalten!“ ruft der Allerliebste am Morgen begeistert. „Von wegen alt!“
Besser, ich stelle mich
schlafend.
Josefine