Ich weiss noch, wie mein
Vater, der an panischer Angst vor Feuerausbruch litt, mir regelmässig einschärfte, wie ich mich im
Brandfall zu verhalten hätte. Neben dem Aufzählen von Feuerbekämpfungsmassnahmen musste ich ihm
dabei jedes Mal vorlügen, in welcher Reihenfolge ich unsere Wertsachen retten
würde. Seine Aktentasche, Mutters Schmuckschatulle, und dann, falls die Zeit
und die Feuerwehr es zulassen sollten, den Wurzelholztisch. Dabei war mir völlig klar, dass ich als
erstes meinen Beat in Sicherheit gebracht hätte.
Es hat nie gebrannt. Aber
Beat und ich wussten auch so, dass wir uns aufeinander verlassen konnten. Und
auch wenn im Laufe meiner „Blütezeit“ Männer auftauchten, deretwegen er vorübergehend in den Schrank
oder unters Bett abtauchen musste, erduldete er das gelassen.
Leider sind die vielen Jahre auch an Beat nicht spurlos vorbeigegangen. Der Allerliebste jedenfalls schüttelte besorgt den Kopf, als ich ihm nach dem ersten Treffen etwas verschämt meinen alten Kumpel vorstellte. „Das linke Auge fällt ihm gleich aus dem Kopf. Die Schultergelenke sind ausgekugelt. Und schau dir die zerschundenen Pfoten an. Ein Fuss verliert Holzwolle. Dein Teddy braucht Hilfe, und zwar dringend.“
Leider sind die vielen Jahre auch an Beat nicht spurlos vorbeigegangen. Der Allerliebste jedenfalls schüttelte besorgt den Kopf, als ich ihm nach dem ersten Treffen etwas verschämt meinen alten Kumpel vorstellte. „Das linke Auge fällt ihm gleich aus dem Kopf. Die Schultergelenke sind ausgekugelt. Und schau dir die zerschundenen Pfoten an. Ein Fuss verliert Holzwolle. Dein Teddy braucht Hilfe, und zwar dringend.“
Am nächsten Morgen schnallte
der Allerliebste Beat auf den Rücksitz und fuhr mit ihm „zum Lifting“. Es war das erste Mal, dass Beat
Sicherheitsgurten trug. Ich winkte dem Wagen zerknirscht nach. Rabenbärenmutter!
Als Beat zurückkam, war er nicht mehr der Alte. Das neue Auge war zu neu und etwas grösser als das alte. Die einst so lockeren Arme klemmten. Die Pfoten waren viel zu glatt. Ausserdem hatte die Bärendoktorin ihm einen viel zu knappen Pullover angezogen, und der neue, rote Schal war lächerlich.
Als Beat zurückkam, war er nicht mehr der Alte. Das neue Auge war zu neu und etwas grösser als das alte. Die einst so lockeren Arme klemmten. Die Pfoten waren viel zu glatt. Ausserdem hatte die Bärendoktorin ihm einen viel zu knappen Pullover angezogen, und der neue, rote Schal war lächerlich.
Trotzdem machten Beat und
ich gute Miene – wie hätte der Allerliebste wissen können, dass manchmal gerade
das Unperfekte das Liebenswerte sein konnte?
Gestern las ich dann einen
Bericht über einen berühmten Bärendoktor, dem sogar aus USA und Russland abgeliebte
Bären zur Reparatur zugeschickt würden. Er selber, gestand der sympathische
Mann, besässe nur zwei alte, zerzauste Teddybären. Aber die Vorstellung, seinem
eigenen Ursli oder Ueli flickenderweise mit einer Nadel in die Pfoten stechen
zu müssen, wäre ihm ein Graus.
Uebrigens: Ich habe jetzt
für Beat eine Bärendame gefunden. Lotti. Struppig, zum Teil kahl, schielend... Abgeliebt
eben. Er wirkt zufrieden. Ich bin es auch. Er ist perfekt, sie … na ja. Jedenfalls
ist das Gleichgewicht wieder hergestellt.
Josefine
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