Titel sind das A und O. Journalisten und Werber führen uns
das jeden Tag vor. Vom Titel hängt ab, ob
wir eine Story lesen, die wir vielleicht
gar nicht erfahren wollen, und kaufen,
was wir vielleicht gar nicht brauchen. Ohne provozierende, skandalöse oder
wenigstens irritierende Titel keine Aufmerksamkeit. Beim Blatt mit dem grossen
B sind die schlagenden Schlagzeilen Kult. Wer erinnert sich nicht an „Wir sind
Papst“ oder „Mallorca wird deutsch“? Oder an Werbeslogans wie „Nichts ist
unmöglich“, „Wohnst du noch oder lebst du schon?“ oder das viel diskutierte
„Geiz ist geil“.
Auch im Fricktaler Immobilienbusiness scheint man das Rezept Irritation begriffen zu haben. Ich habe nicht schlecht gestaunt, als mir per Werbemail ein Haus unter dem Titel „Witwen- oder Singleresidenz“ zum Kauf angeboten wurde. Residieren tun wir ja inzwischen alle. Wir wohnen, hausen, leben nicht mehr, sondern residieren. Aber warum ausgerechnet Witwen und Singles? Was ist die Botschaft dahinter? Was haben diese Personengruppen gemeinsam? Sicher mal: Keine Kinder. Demnach also: Ruhe im Quartier, bitte! Aber warum Witwen? Witwen sind doch gar nicht immer lustig, und schon gar nicht immer wohlhabend. Warum also nicht auch Witwer oder Geschiedene? Und warum Singles und nicht gemischte Doppel? Schliesslich hat das Objekt über hundert Quadratmeter Wohnfläche. Oder residiert ein Fricktaler Paar nicht unter zweihundert Quadratmetern?
Die Residenz liege an einer Sackgasse, lese ich, und das klingt irgendwie bedrohlich. Was geschieht, wenn sich doch mal ein netter Mann verfährt, bei der Witwe nach dem Ausweg fragt und … schon wäre ausgesingelt. Muss die arme Witwe dann ausziehen? Und, letzte Frage: Warum braucht ein Single eigentlich ein Doppellavabo?
Auch im Fricktaler Immobilienbusiness scheint man das Rezept Irritation begriffen zu haben. Ich habe nicht schlecht gestaunt, als mir per Werbemail ein Haus unter dem Titel „Witwen- oder Singleresidenz“ zum Kauf angeboten wurde. Residieren tun wir ja inzwischen alle. Wir wohnen, hausen, leben nicht mehr, sondern residieren. Aber warum ausgerechnet Witwen und Singles? Was ist die Botschaft dahinter? Was haben diese Personengruppen gemeinsam? Sicher mal: Keine Kinder. Demnach also: Ruhe im Quartier, bitte! Aber warum Witwen? Witwen sind doch gar nicht immer lustig, und schon gar nicht immer wohlhabend. Warum also nicht auch Witwer oder Geschiedene? Und warum Singles und nicht gemischte Doppel? Schliesslich hat das Objekt über hundert Quadratmeter Wohnfläche. Oder residiert ein Fricktaler Paar nicht unter zweihundert Quadratmetern?
Die Residenz liege an einer Sackgasse, lese ich, und das klingt irgendwie bedrohlich. Was geschieht, wenn sich doch mal ein netter Mann verfährt, bei der Witwe nach dem Ausweg fragt und … schon wäre ausgesingelt. Muss die arme Witwe dann ausziehen? Und, letzte Frage: Warum braucht ein Single eigentlich ein Doppellavabo?
Wie auch immer. Die Irritation ist geglückt. Das Inserat hat
mich neugierig gemacht. Auch wenn ich nicht nach Sisseln ziehen will.
Vielleicht gibt es in der Nähe etwas Spannendes? Ich klicke weiter. Das Objekt
mit dem „Holzabwurf“ in Laufenburg
klingt etwas gefährlich, Ich
dachte immer, die Vorrichtungen in den Fenstergiebeln seien zum Holzaufziehen.
Aber abwerfen? Vielleicht „die blaue
Schönheit, umringt von Pflastersteinen“? Wie steht es in Frick? „Golfer
aufgepasst: Dieses Haus können Sie nicht abschlagen“. Oh je. Kaufen kann man
dort auch prominente Lagen, einen garantierten Wohlfühlcharakter oder eine
Villa: „Wie aus dem Ei gepellt: Da bin ich. Neu, modern und in einer super
Gemeinde.“ Vielleicht doch lieber nach
Rheinfelden? Von dort kommt nämlich
endlich wieder eine, ja die
schlagende Zeile: „Ein einundsiebzig Quadratmeter grosser Balkon. Was fällt
Ihnen dazu ein?“
Was soll man da bloss antworten? Gibt es eine Wohnung dazu?
Josefine
erschienen am 11. September 2012
erschienen am 11. September 2012
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